Lina Heydrich: Ein Schatten der Grausamkeit über Prag, ihre Taten überschreiten jene des berüchtigten “Schlächters von Prag”. Als Ehefrau des grausamen Reinhard Heydrichs nutzte sie ihre Machtposition für unmenschliche Unterdrückung, lebte in beschlagnahmtem jüdischem Besitz und dirigierte ein Lager mit Zwangsarbeitern – ein dunkles Kapitel der NS-Zeit.
Am 15. März 1939 fiel Prag ohne Kampf in die Hände der deutschen Wehrmacht. Bald danach begann eine Schreckensherrschaft, in der Reinhard Heydrich als Stellvertreter des Reichsprotektors Böhmen und Mähren Gewalt, Massenverhaftungen und Hinrichtungen orchestrierte. Doch an seiner Seite wirkte Lina Heydrich, deren Brutalität oftmals über die seines Mannes hinausging.
Geboren als Lina Matilde von Osten auf der Ostseeinsel Fehmarn, wuchs sie in einem Umfeld politischer Radikalisierung und Antisemitismus auf. Schon früh entwickelte sie eine fanatische Unterstützung für die NS-Ideologie, die sie nicht nur teilte, sondern aktiv förderte. Ihr Leben sollte sich bald untrennbar mit der dunklen Geschichte des Nationalsozialismus verbinden.
Ihre Begegnung mit Reinhard Heydrich im Jahr 1930 war der Beginn eines zwielichtigen Machtpaares. Trotz eines Skandals – Heydrich löste seine frühe Verlobung, um mit Lina zusammen zu sein – gewann das Paar rasch gesellschaftlichen Aufstieg. Heydrichs Eintritt in die SS markierte ihren Weg zu einem Zentrum nazistischer Macht.
In den folgenden Jahren stieg Heydrich zu einer Schlüsselfigur im Sicherheitsapparat des NS-Regimes auf. Als Leiter des Sicherheitsdienstes (SD) und später der Gestapo wurde er zum Architekten der Unterdrückungspolitik. Lina Heydrich profitierte vom Luxus und dem gesellschaftlichen Status, den diese Macht mit sich brachte, ohne Skrupel.

Lina dokumentierte ihre Freude an der Gewalt offen: Briefe belegen ihre Begeisterung für die Verhaftungen politischer Gegner und jüdischer Mitbürger. Während der Reichspogromnacht 1938 ermutigte sie Reinhard zu brutalen Maßnahmen gegen Juden und unterstützte sein Regime mit fanatischem Eifer und Machtbewusstsein.
Nach Heydrichs Ernennung zum Stellvertreter des Reichsprotektors im Protektorat Böhmen und Mähren 1941 zog die Familie in das entwendete Schloss Panenské Březany ein. Das Anwesen, einst im Besitz eines jüdischen Industriellen, wurde zum Symbol für die grausame Kolonialisierung und Ausbeutung der tschechischen Bevölkerung durch die Heydrichs.
Unter Lina Heydrichs Leitung funktionierte das Schloss auch als kleines Konzentrationslager. Rund 150 jüdische Zwangsarbeiter lebten und arbeiteten dort unter unmenschlichen Bedingungen. Zeugenaussagen berichten von ihrem sadistischen Umgang mit den Gefangenen: Beschimpfungen, körperliche Gewalt und Strafen waren Teil ihres regierenden Terrors.

Der lateinamerikanische Spitzname „Schlächter von Prag“ wurde Reinhard Heydrich für seine Brutalität verliehen. Doch Lina übertraf ihn: Sie diktierte Strafen, kontrollierte grausam das Arbeitslager und setzte den Terror gegen jüdische Häftlinge fort. Ihre Befehle und Handlungen erschwerten das Leiden der Opfer in unerträglicher Weise.
Der Widerstand gegen die Naziherrschaft im Protektorat wuchs dennoch. Am 27. Mai 1942 wurde Heydrich bei einem Anschlag schwer verletzt und starb wenig später. Sein Tod entfachte eine Welle grausamer Vergeltungsmaßnahmen, die das Gebiet noch weiter in Schrecken tauchten. Lina rückte in dieser Phase in den Fokus wegen ihrer Rolle im Regime.
Nach Heydrichs Tod übernahm Lina das Schloss und dessen Besitz zu ihrem persönlichen Vorteil. Sie transformierte das Anwesen, zerstörte den englischen Landschaftspark zum Zweck der Holzverwertung und erntete auf neu angelegten Feldern Gemüse, um es an die Besatzungstruppen zu verkaufen – allen Schrecken zum Trotz.

Der Einsatz von Zwangsarbeitern wurde unter ihrer Führung fortgesetzt. Nach den jüdischen Häftlingen aus Theresienstadt lieferte sie 1944 sechszehn Zeugen Jehovas aus dem Konzentrationslager Flossenbürg zu sich ans Schloss. Auch hierbei zeigte sie rücksichtslosen Machtanspruch, wobei SS-Chef Himmler die Kosten für ihre Ausbeutung übernahm.
Lina Heydrichs Leben war geprägt von skrupelloser Verherrlichung des Nationalsozialismus. Selbst Jahre nach dem Krieg leugnete sie jegliche Schuld. 1979 bekannte sie öffentlich: „Der Nationalsozialismus war ein Glaube, und ich kann diesen Glauben niemals widerrufen.“ Damit stellte sie sich gegen jegliche Aufarbeitung ihrer Verbrechen.
Trotz der Verurteilung durch ein tschechoslowakisches Gericht 1948 zu lebenslanger Haft wegen ihrer Verbrechen entging sie der Auslieferung und führte ein Leben in relativer Sicherheit in Deutschland und später in Finnland. Ihr ehemaliges Sommerhaus auf Fehmarn betrieb sie als Restaurant, frequentiert von ehemaligen NS-Anhängern.
Der Tod von Lina Heydrich am 14. August 1985 beendete das Leben einer Frau, die tief in die dunkelsten Machenschaften des NS-Regimes verwickelt war und deren Grausamkeit jene vieler ihrer Zeitgenossen überstieg. Ihr Erbe bleibt eine Mahnung an die Gefahren von Ideologie, Machtmissbrauch und Menschenverachtung.
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